Angst ist eine natürliche und wichtige Emotion

Angst ist eine natürliche und wichtige Emotion, die uns im Laufe der Evolution als auch unserer persönlichen Entwicklung immer wieder auf Gefahren hingewiesen hat und damit einen wichtigen Beitrag zum Überleben leistet. Wir haben etwa seit Tausenden von Jahren Angst vor großen Raubtieren, und das ist wohl weiterhin gut so.

Wenn sich auch die Gefahren innerhalb dieser Jahrtausende stark verändert haben, gibt es heute nach wie vor Situationen, in denen Angst eine wichtige Funktion besitzt. So ist ein gewisses Maß an Angst sinnvoll, wenn wir unerwartete oder unerklärliche körperliche Symptome wahrnehmen. Ein wiederkehrender plötzlicher Schmerz in der Brust mag Angst auslösen und führt uns dazu, einen Arzt aufzusuchen, der mögliche Krankheiten feststellen kann. Damit können schlimmere Konsequenzen verhindert werden.

Wenn Ängste das Leben einengen – Angststörungen

Allerdings kommt es vor, dass unser Sensor für Bedrohungen zu empfindlich geworden ist. Dann wittern wir Gefahr in Situationen, in denen objektiv keine oder nur unwahrscheinlich geringe Bedrohung besteht. Wir erleben Angst zu häufig und meistens unnötig. Sie ist damit keine Hilfe bei Problemen mehr, sondern wird selbst zum Problem.

Von einer Angststörung spricht man, wenn häufige, langandauernde und unrealistische Angst zu deutlichem Leiden bzw. zu deutlicher Beeinträchtigung in der normalen Lebensführung einer Person führt.

Diese Beeinträchtigungen können den Beruf, die Privatsphäre oder den Freizeitbereich einer Person betreffen. Je nach Art der Angst unterscheidet man dabei verschiedene Angststörungen.

Soziale Angststörung

Soziale Angst und Unsicherheit ist in einem gewissen Ausmaß bei jedem Menschen vorhanden. Es kommt jedoch vor, dass Personen mit ausgeprägter Angst vor anderen Menschen oder deren Beurteilung soziale oder Leistungssituationen vermeiden und daher stark beeinträchtigt sind.

Diese Menschen leben oft sehr zurückgezogen, sind einsam oder vermeiden berufliche Herausforderungen, zu denen sie ohne diese Angst durchaus fähig wären. Oder sie konsumieren Alkohol und Drogen, um im Umgang mit anderen Menschen zurecht zu kommen.

Angst nach traumatischen Erfahrungen

Traumatische Erfahrungen wie Naturkatastrophen, Autounfälle, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch oder andere Gewaltverbrechen können massive Beeinträchtigungen der Opfer nach sich ziehen.

Diese Personen leiden unter schweren Alpträumen und sehr realistischem Wiedererleben der traumatischen Situation bzw. der damit verbundenen Angst, wenn sie durch unscheinbare Details an die Situation erinnert werden. Diese und weitere Symptome können Jahre bis Jahrzehnte anhalten.

Zwangsstörung

Personen mit Zwangsstörung leiden unter sehr belastenden Gedanken wie z.B. Gedanken, dem eigenen geliebten Kind etwas antun zu wollen, Gedanken, dass das Haus abbrennt, Gedanken, sich oder andere mit krankmachenden Viren anzustecken u.v.m.

Wenn diese Gedanken auch unrealistisch sind, führt dies jedoch meistens dazu, dass diese Personen scheinbar sinnlose Dinge immer wieder tun müssen, um die gefürchtete Katastrophe abzuwenden.

So kontrollieren sie (häufig stundenlang) Lichtschalter oder Türschlösser, waschen sich immer wieder die Hände oder bilden “Gegengedanken”, die das Unheil abwenden sollen. Man spricht dann von sog. “Zwangshandlungen“.

Krankheitsängste

Personen mit Krankheitsängsten machen sich ständig Sorgen, dass sie an einer schweren körperlichen Erkrankung leiden könnten. Körperliche Empfindungen wie Schwindel, Verspannungen oder Muskelzuckungen, unerklärliche Schmerzen und Missempfindungen, Veränderungen der Verdauung, Veränderungen der Haut u.v.m. werden als gefährlich bewertet.

Personen mit dieser Störung sind oft über Jahre durch die Angst vor einer Krankheit schwer beeinträchtigt. Daher suchen sie häufig und immer wieder Ärzte und Krankenhäuser auf, um die Ursache für ihre Beschwerden zu finden. Hier wird jedoch in der Regel keine Krankheit entdeckt. Wird eine körperliche Unregelmäßigkeit entdeckt, so ist das Ausmaß der Angst wesentlich größer, als es die Beschwerden tatsächlich rechtfertigen würden.

Diese Störung wurde früher bzw. wird heute noch teilweise als Hypochondrie bezeichnet

Was ist eine depressive Störung?

Depressionen sind weit verbreitete Erkrankungen. Nahezu jeder fünfte Mensch leidet zumindest einmal im Verlauf seines Lebens längere Zeit an einer Depression. Depressionen sind Krankheiten des Menschen in seiner Gesamtheit: Sie verändern tief greifend den Stoffwechsel und andere Körperfunktionen ebenso wie unsere Gedanken, Gefühle und unsere Verhaltensweisen anderen Menschen gegenüber. Wenn depressive Erkrankungen frühzeitig erkannt werden, sind sie mit psychologischen Verfahren und den geeigneten Medikamenten gut behandelbar.

Eine Depression (depressive Episode) besteht, wenn mehrere der folgenden Merkmale über mehr als zwei Wochen ständig vorliegen:

  • Gefühle von Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder Hoffnungslosigkeit
  • Interessenverlust, Freudlosigkeit oder das Gefühl innerer Leere
  • Verminderter Antrieb, Aktivitätsverlust
  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühle und Gefühl der Wertlosigkeit
  • Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzungen oder Suizidhandlungen
  • Einschlaf-, Durchschlafstörungen und frühmorgendliches Erwachen
  • Verminderter Appetit (Gewichtsverlust)
  • Mangel oder Verlust von sexuellem Interesse
  • Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven

Diese Symptome verstärken sich im Laufe der Zeit gegenseitig, so dass der Betroffene das Gefühl gewinnt, wie in einer immer enger werdenden Spirale gefangen zu sein.

Welche Depressionsformen gibt es?

Obwohl immer von der Depression gesprochen wird, unterscheidet man grundsätzlich verschiedene Arten depressiver Störungen. Allen Formen ist gemeinsam, dass mindestens vier der angesprochenen Bereiche zutreffen. Dabei sind Art, Häufigkeit und Schwere der einzelnen Symptome von einem Patienten zum anderen oft recht unterschiedlich. Leidet jemand unter den genannten Zeichen einer Depression, dann ist eine genaue Diagnostik der erste Schritt zu einer Besserung. Dabei geht es um folgende Hauptziele:

  • Feststellung der Art der Depression und des Schweregrades
  • Feststellung des Verlaufs der Erkrankung
  • Ausschluss anderer (zumeist körperlicher) Gründe, die für eine Depression verantwortlich sein könnten
  • Auffindung der Ursachen und der konkreten Auslöser für die Erkrankung

Arten der Depression: Einteilung der Depression nach …

(Wittchen et al., 1995)

… Art und Anzahl der     Symptome … dem Verlauf .. dem Vorliegen anderer    Probleme
Leichtgradige Depression Einzelepisode einer Depression Manie oder Bipolare Störung
(mit oder ohne somatische Merkmale) (= die erste und einzige Episode dieser Art) (= ich habe auch Zeiten mit übersteigerter Erregung und Hochstimmung, die Probleme verursacht)
Mittelgradige Depression Wiederkehrende Depression  

Anpassungsstörung mit depressiver Stimmung

(mit oder ohne somatische Merkmale) (= es gab schon früher einmal derartige Episoden) (= ich leide erst seit einigen Wochen unter depressiver Stimmung, die eindeutig nach einem wichtigen Ereignis eintrat)
Schwergradige Depression Dysthymie körperlich bedingte Depression
(mit oder ohne somatische Merkmale) (= in milderer Form geht es mir schon so seit Jahren) (= meine Depression begann im Zusammenhang mit einer körperlichen Erkrankung oder der Einnahme eines Medikaments)

Sind die Symptome erst vor einigen Wochen zum ersten Mal aufgetreten, so spricht man von einer einzelnen depressiven Episode. Sollten diese Symptome aber bereits früher schon einmal einige Wochen das Leben deutlich beeinträchtigt haben, besteht eine wiederkehrende oder auch rezidivierende Depression.

Treten diese Symptome immer wieder in relativ milder Form auf und dauern somit jahrelang an, werden sie als dysthyme Störungen bezeichnet.

Wechseln sich depressive Verstimmungen mit euphorischen Zuständen, in denen der Betroffene sich überaktiv, ungewöhnlich hochgestimmt und reizbar fühlt, ab, so werden diese Phasen der Hochgestimmtheit auch als hypomanisch oder manisch bezeichnet und kennzeichnen eine bipolare Störung, welche früher auch “Manisch-Depressives-Kranksein” genannt wurde.